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Winterarbeit bei den Segelfliegern

Wo kam das denn nochmal hin?

Unter Anleitung unseres Werkstattleiters Markus Beckmann, wird gemeinsam mit erfahrenen Mitgliedern und jungen Flugschülern die Flugzeugwartung durchgeführt. Zu  den jährlichen Wartungsarbeiten gehören neben der Reinigung und Oberflächenpolitur auch das planmäßige Abschmieren aller Lager, Bolzen und sonstigen beweglichen Teile.Neben diesen  Arbeiten werden aber auch kleinere Schäden und Reparaturen, die im Flugbetrieb entstanden sind, behoben. Diese dürfen aber nur von qualifizierten Werkstattleitern, die das nötige Wissen in speziellen Lehrgängen erworben haben, durchgeführt bzw. überwacht werden.

Für diejenigen, die einen Beruf im Luftfahrtbereich anstreben, ist die Winterarbeit mit Sicherheit sehr interessant. Man erwirbt Fertigkeiten im Umgang mit Glas- und Kohlefaser, Holz oder auch Metall und lernt, ein Segelflugzeug zu warten. Sollten keine größeren Reparaturen anstehen schaffen wir diese Arbeiten an unseren Flugzeugen in wenigen Wochen.

Das war früher ganz anders….

In den Anfangsjahren der Geschichte des Segelfluges wurden auch in unserer Werkstatt in Hirzenhain mit mehr oder weniger Erfolg Segelflugzeuge in Holzbauweise nach Zeichnung gefertigt. Anno dazumal ging es um das reine Fliegen und dazu brauchte man Geräte, mit denen man auch fliegen konnte. Es gab häufiger kleinere Unfälle und diese Brüche und Beschädigungen  an allen möglichen Bauteilen wurden natürlich in der vereinseigenen Flieger-Werkstatt repariert und das nicht nur als Winterarbeit sondern immer dann, wenn etwas kaputt war. Für diese Reparaturen brauchte man in der Hauptsache Kenntnisse bzgl. Festigkeiten der verschiedenen Hölzer, in der Holz- und Sperrholzverarbeitung und deren Verleimung. Alle Verleimungen von Leisten und Sperrholz mussten „geschäftet“ werden und dann mit einem speziellen Kaltleim in warmer!  Werkstatt verleimt werden.

Bei den Schäftungen, auch bei dem dünnen Sperrholz gab es die Regel, dass die Schäftungsbreite das Dreifache der Holzdicke betragen musste. Die Flügelnasen waren mit dünnem Sperrholz beplankt, eine Reparatur erforderte besondere Geschicklichkeit. Neben der  Schäftung des dünnen Sperrholzes wurde die Nasenwölbung bei der Verleimung mit Nagelleisten oder Bändern fixiert. Interessant war auch die Bespannung der übrigen Fläche mit Segeltuch.Dabei wurde zunächst das Segeltuch auf die Spanten aufgeklebt, je nach Flügelprofil vernäht und zum Schluss mit Spannlack gestrichen. Durch den Spannlack wurden die letzten Unebenheiten und Fältchen bei der Bespannung geglättet. Beim Streichen – ein betörender Duft !

Außer den erforderlichen Reparaturen und Pflegemaßnahmen wurden auch neue Transportanhänger für die Segelflugzeuge gebaut und nicht zuletzt auch eine auf den Namen HIHAI zugelassene Flugzeugschleppwinde. Zur Winterarbeit in der Werkstatt gehörte auch das Erlernen von Spleißen der Windenseile. Es  wurde darauf geachtet, dass jeder Flugschüler das Spleißen richtig beherrschte und unser damaliger Wekstattleiter „Erne“ war der Meinung, wer kein gerissenes Windenseil ordentlich spleißen kann, der kann auch nicht fliegen.

Früher ging es um das reine Fliegen und die zeitraubenden Reparaturen waren dem Wert nach nicht minder bedeutungsvoll als die fliegerischen Leistungen. Heute steht an erster Stelle die geflogene Leistung!

Von den Vereinen werden Hochleistungssegelflugzeuge in GFK bzw. KFK-Bauweise von bewährten Herstellerfirmen gekauft – Brüche gibt es nur noch selten, die Werkstattarbeit bleibt im Wesentlichen auf Wartungs- und Pflegemaßnahmen beschränkt und größere Reparaturen bleiben den speziellen Herstellerfirmen vorbehalten.

von Harry Clemens und Gerhard Hermann

 

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