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Lienzer Flugbuch – Teil2

19-04-2011-pinzgauer-spaziergang-vom-pass-thurn

Der 19.04. brachte bei Alptherm schon wieder gutes Wetter Richtung Westen. Also warum nicht mal wieder zum Comer See.

Start 10.38 Uhr, Schlepp an den Hochstein, warten auf Norbert. Um 11.05 Uhr sind wir dann zusammen abgeflogen, haben das Pustertal vor Bruneck Richtung Kronplatz gequert, hatten dort einen 3 Meter-Bart, sind an den Geisler-Spitzen vorbei, ich hatte dann einen 4 Meter -Bart auf 3100 m  an der Seceda, Norbert einen an den Geisler-Spitzen. Nachdem wir dann südlich der Plose das Eissack-Tal  zu den Sarntalern hin überquert hatten, sah die Optik in Richtung Westen nicht gerade optimal aus. Trotzdem entschlossen wir uns das Etsch-Tal zu überfliegen und kamen auf der Westseite in etwas über 2000 Metern an. Während ich den Bart direkt hinter der Kante zum Etschtal erflog fiel erstmals mein GPS bzw. das LX 8000 aus. Aufgrund der für uns nicht erfolgversprechenden Wetteroptik brachen wir dann unseren Flug nach Westen ab und flogen wieder zurück in die Sarntaler. Zwischenzeitlich hatten wir öfters Marko, der kurz hinter uns war, unsere Positionen und Steigwerte bzw. Höhen mitgeteilt. Er entschloss sich dann in den Sarntalern nach Norden abzubiegen und war nun vor uns. In den Sarntalern haben Norbert und ich uns dann verloren, weil ich mich entschloss vor einem Berg, der uns im Weg war nach Norden in das Sarntal abzubiegen und Norbert die andere Richtung und den Weg am Eissacktal entlang nahm. In den Sarntalern war dann mal wieder mein Navigationsgerät ohne Anzeige und ich habe auf Handnavigation umgestellt. Norbert konnte ich dann auch nicht mitteilen, ob ich schon an Brixen vorbei war oder nicht. Zwischenzeitlich meldete Marko sich nördlich des Brenners, querab Innsbruck, auf dem Weg übers Zillertal und den Gerloss-Pass in den Pinzgau. Da ich den Pinzgau schon einige Tage für das eventuelle Überschreiten des Alpenhauptkamms auf dem Programm hatte, viel mir die Entscheidung leicht von Sterzing übers Pfitscherjoch und den Schlegeis-Speicher ins Zillertal zu fliegen. Vom Kreuzjoch, nördlich der Straße Zell am Ziller, ging es zum Gerlos-Pass, über Wildkogel, Pass Thurn in den Pinzgau zum Spaziergang. Fast ausschließlich im Geradeausflug ging mit Höhengewinn bei etwas über 3000 Metern über die Schmittenhöhe, vorbei am Flugplatz Zell am See in Richtung Osten. Ein Funkruf an Norbert erbrachte kein Ergebnis. Marko war kurz vor dem Dachstein und bei mir fiel das LX 8000 endgültig kurz vor St. Johann im Pongau aus. Nach aufgezeichneten 329 Kilometern hab ich das Ding dann aus und wieder an gemacht und siehe da es lief bis zum Ende des Fluges. Östlich der Tauernautobahn zwischen Radstadt und Dachstein über dem Rossbrand kam mir dann Marko entgegen. Zusammen haben wir dann den gleichen Weg zurück angetreten. Da Marko in seinem 15 Meter Discus 2a ca. 70 Liter Wasser hatte, kamen wir jeweils ungefähr auf 38 kg/m² Flächenbelastung.

Um an Marko dran zu bleiben musste ich mit unserem 18-Meter Discus 2ct deshalb mit höchster Konzentration fliegen, weil Geschwindigkeiten über 170 km/h eigentlich nicht meine Sache sind. Während des Thermikkreisens östlich Zell am See in 2500 Meter erschrak ich mich so sehr, als ein Schatten, der sich als trudelnder, halb zusammengeklappter Gleitschirmflieger herausstellte in ca. 40-50 Meter Entfernung an mir vorbei fiel, dass ich dies schreiender Weise an Marko weitergab, der  100 Meter unter mir am Kreisen war. Der Gleitschirmflieger hat den Schirm dann aber ca. 300-400 Meter unter uns wieder unter Kontrolle gebracht.

Abends habe ich Marko gesagt, dass mir sein Discus schon etwas leid getan hat, weil er ihn gnadenlos zwischen 170 und 190 km/h durch die Gegend geprügelt hat. Gemeinsam sind wir übers Tuxerjoch bis zum Zuckerhütl in den Ötztaler-Alpen geflogen, haben gewendet sind übers Antholzer-Tal, Staller-Sattel, Defferegger-Tal bis an den Großglockner und zum Kilometer machen noch mal bis westlich Bruneck und von da an nach Hause geflogen. Am Ende des Tages hatte Marko  824 km/110 km/h und ich bei meinem zweiten Flug 471 km = 801 Km/103 km/h geflogen.

Norbert war mir ja nicht Richtung Pinzgau gefolgt  und ist dann am Hauptkamm ins Ahrntal, von dort über Antholz, Stallersattel, Defferegger-Tal über den Großglockner auch auf die Nordseite des Alpenhauptkamms in das Gasteiner Tal zur Hochalmspitze und noch mal übers Pustertal bis vors Pfitscherjoch, über Plose, Drei Zinnen durch die Dolomiten, von dort in die Lienzer Dolomiten am Lesachtal entlang in die Gailtaler-Alpen und nach 673 km in Lienz gelandet. Tim, wie auch Hans-Otto und Markus haben  vom  Brenner bis Dobratsch ein Luftrennen veranstaltet. Tim hatte dann 700 km mit einem 101er Schnitt und der Arcus 673 km mit einer Durchschnitts-geschwindigkeit von 110 km/h zu Buche stehen. Eigentlich hätte dann abends eine öffentliche Scheinverbrennung von Norberts Luftfahrerschein stattfinden sollen, er hat ihn aber doch nicht rausgerückt. Wer näheres dazu wissen will fragt bitte Norbert selbst.

Am 20.04 wollten wir dann wieder mal an den Comer-See, Marko im Vereins- Discus 2ct, Norbert in seinem Ventus 2cxt und Tim und ich in unserem neuen Vereins Arcus T.

An diesem Tag sind wir alle bis zum Schluß zusammen geblieben und hatten noch  einen weiteren Mitflieger(siehe OLC), der sich manchmal nicht so verhielt wie es sein sollte. Wir haben uns dann abends noch mal darüber unterhalten und waren der Meinung, dass wir eigentlich nichts gegen mitfliegende Kameraden haben, aber grundlegende Sachen, wie beim Kreisen in der Thermik Rücksicht und Vorsicht walten zu lassen, eigentlich selbstverständlich sein müssten.

Der Flug ist schnell erzählt und  war problemlos. Pustertal bis Bruneck, Plose, Südliche Sarntaler, Val di Sole Nordseite, Tonale-Pass, Adda-Tal, vor dem Lago die Mezzola gewendet, Comer See im Dunst in Sicht, Rückweg gleiche Strecke durch die Sarntaler, südlich Sterzing über Antholz, Defferegger-Tal zum Zettersfeld, noch mal westlich Bruneck und durchs Pustertal nach Hause ergab für alle über 770 km. Das interessante für mich während diese Fluges war das Gleitvermögen des Arcus T. Durch die relativ ruhigen Luftmassen des Eissack- und Etschtales mit Geschwindigkeiten um 150 km/h haben wir Norbert mit seinem Ventus 2cxt schon einige Meter abgeknöpft. Bei Marko mit dem Discus 2ct waren es noch ein paar Meter mehr. Zur Ehrenrettung des Ventus sei gesagt, dass wir mit einer höheren Flächenbelastung geflogen sind. Dieser erste richtige Flug, den ich im Arcus machen durfte, hat mich von den Flugeigenschaften dieses zur Zeit und so denke ich für lange Zeit besten 20 Meter-Doppelsitzers voll überzeugt. Ein rundweg tolles Flugzeug, das den Piloten unseres Vereins sicher noch viel Freude bereiten wird.

Am 21.04. hatte ich eigentlich vor, das Gebiet um den Ofenpass und Reschensee, wo ich bisher noch nicht war, zu erkunden. Nachdem ich um Viertel vor elf wieder als erster Nicht-Eigenstarter gestartet war, habe ich die ersten 50 km AM(Alexander Müller) und IF(Wolfgang Claas) im Pustertal die Bärte suchen lassen. Das Thema hatte sich dann aber vor Bruneck, wie nicht anders zu erwarten, erledigt und ich flog alleine in Richtung Kronplatz, Plose, durch die mittleren Sarntaler bis nördlich Meran an die Ecke zum Vintschgau. Über dem Vintschgau waren Flusen, die nicht nach besonders starkem Steigen aussahen. Dies merkte ich dann spätestens, als ich in 2300 Meter unterhalb der Gamseck ankam. Der Bart waberte dicht an der Wand entlang, was eigentlich nicht nach meinem Geschmack ist. Dann sah ich auf der Südseite des Tals über einer Alm einen schönen Cumulus stehen. In 2650 Meter bin ich abgeflogen und habe auf der Südseite diesen absolut ruhigen Bart bis auf über 3200 Meter genossen. Weiter ging es  an der Nordseite des Ultentals ins hohe Gelände, umgeben von einer Unmenge 3000ern. Der nächste ganz Hohe war der Monte Cevedale mit seinen 3769 Metern, 10 Kilometer westlich. Den Südtiroler Berg, den Ortler(3905m), sowie  den Monte Zebru(3740m) und die Königsspitze(3859m) sah ich etwa 15-20 Kilometer nordwestlich von mir. Weil ich Marko westlich von Trento hörte und nicht so recht wusste wohin ich eigentlich wollte, flog ich in Richtung Süden, 10 km östlich des Tonale über das Val di Sole hin weg in die Brenta-Gruppe.

Über dem Skigebiet von Madonna di Campiglio habe ich dann Sightseeing betrieben und aus 2 Metern einen gemacht. Vor dem Cima Brenta bin ich durch einen V-Ausschnitt im Berg auf die Westseite geflogen. Dort stellte ich fest, dass die Westseite der Brenta auch schön ist. Eine wilde Bergkulisse, in der vor einigen Jahren Braunbären aus Slowenien angesiedelt wurden. Irgendwie musste ich aber dann doch der Entwicklung folgen und südwestlich über Trento das Etschtal nach Osten queren. Wenn die Thermik in der Brenta schon nicht gut war, dann war hier wirklich ein Rühren in der Warmluft angesagt. Auf der einen Seite 3 Meter steigen auf der anderen Seite des Bartes 1 Meter fallen und ziemlich eng. Über Funk hatte ich vorher schon von Marko gehört, dass diese Thermik wohl nichts für schwache Mägen ist. Deswegen blieb ich immer schön hoch und flog gemütlich auf Predazzo zu. Von dort zum Rosengarten hin wurde die Thermik langsam wieder besser und die Basis stieg auf 3400 Meter. Weiter  entlang Langkofel Sella und Alta Badia erreichte ich am Kreuzkofel östlich des Abtei-Tals 3700 Meter. Die Wolkenentwicklung über dem Pustertal entkoppelte sich  aus meiner Sicht  vom Relief und unter der dicken schwarzen Wolke stieg es nach Norden im Geradeausflug zum Staller-Sattel hin auf 3800 Meter. Westlich des Virgen-Tals ging es dann auf 4000 Meter. Nun war es möglich über den Gipfel des Groß Venediger zu fliegen.

Nun am Alpenhauptkamm fliegend genoss ich die schöne Sicht in den Pinzgau, auch weil vor mir etwas diffus Schneeschauer, östlich des Großglockners, auszumachen waren. Weiter in Richtung Mallnitz sah ich, dass östlich kein Durchkommen war. Südlich weiterfliegend sah ich eine einzelne schöne Wolke im Norden der Kreuzeck-Gruppe über dem Mölltal stehen. Da im nordöstlich in Richtung Malta-Tal und Katschberg eine dunkle Wand stand beendete ich den Flug über die östliche Kreuzeck-Gruppe, den Weissensee und das Drautal nach 512 gemütlichen Kilometern.

Am Freitag, dem 22.04.2011 fuhren Hans-Otto, Marko, und Markus nach Hause und Norbert wollte Ski-fahren. So blieben nur noch Tim und ich übrig. Nach 7 Tagen ununterbrochenem Fliegen, war ich froh, dass ich nun hinten im Arcus sitzend einen jungen dynamischen Piloten hatte. Wieder als erste startend, fragte Tim mich ob Bernhard an den Hochstein schleppen würde. Och, anwortete ich, dass der da eigentlich immer hinschleppt, wen man nichts sagt. Nachdem er aber dann an das Zettersfeld in Richtung Osten abbog, war mir klar,  dass er zur Roaner –Alm schleppt. Nach etwas Motorhilfe sind wir dann auch hier ganz passabel weg gekommen. Am Mölltal entlang, durch die Schober-Gruppe, übers Isseltal südlich Matrei, ins Defferegger-Tal,  bei St. Jakob dem Betrieb am Skigebiet zugeschaut und bei Antholz an die Riesenferner-Gruppe geflogen. Da Tim noch nicht in den Dolomiten war sind wir dann nach Süden über den Kronplatz in die Dolomiten zur Besichtigung geflogen. Am Kreuzkofel, entlang des Alta Badia-Tals, südlich Corvara an die Sella, dicht am Piz Boe vorbei zum Pordoj-Joch, in einem schönen Bart von 2900 auf 3700 Meter einmal um die Marmolata, im selben Bart wieder von 3300 auf 3800 Meter weiter in den Rosgarten. Von den Vajolet-Türmen zum Platt-, und Langkofel vor die Geisler-Spitzen und vom Peitlerkofel in Richtung Pragser Wildsee. Von dort in ca. 2700 Meter direkt nördlich an den Drei Zinnen vorbei ins Fischleintal. Kurz vor Sexten stand dann der benötigte Bart auf über 3000 Meter.  Vor uns die Karnischen Alpen mit kleinen Cu, flogen wir über diesen schönen Kamm in Richtung Osten an der Hohen Warte und Plöckenpass mit seinem Windrad  vorbei an den Anfang der Karawanken am Dreiländereck Italien/Österreich/Slowenien. Über die Skiflug-Schanze Planica südlich fliegend,  parkten wir in einem 1 Meter-Bart über dem Vrsic-Pass. Meine Blicke gingen in das tief eingeschnittene Tal der Soca hin zum Flugplatz Bovec, nebenan die beiden Bergklötze Mangart und Kanin. Da um den Triglav(höchster Berg Slowenien, 2865m) die Thermik meistens nicht so gut ist, wie ich schon 2005 und 2006 vom Boden aus sehen konnte, flogen wir vorsichtig in die Julischen Alpen hinein.

Südlich des Triglav angekommen konnte ich dann Tim den Bohinj-See (Wocheiner-See), dasTal der sieben Triglav-Seen, die schönste Alm Sloweniens, Planina Krstenica und das Hochplateau Pokljuka mit seinem Biathon-Zentrum, zeigen. Danach flogen wir zurück nach Lienz über den Dobratsch, die Gailtaler- Alpen und das Drautal. Für mich war dies ein schöner Abschluss von den 8 Tagen in Lienz-Nikolsdorf. Abends sprach ich dann noch kurz mit Gerd Spiegelberg am Flugplatz, der 2 Tage zuvor zusammen mit 2 Kameraden nach Serres/Südfrankreich geflogen war. Am Tag danach schaffte er es dann mit seinem Antares zurück bis Bozen.

In meinem Gedächtnis ist noch sein Satz: „Frank wir sind privilegiert, dass wir so etwas erleben dürfen, wie euren Flug ans Mittelmeer oder  unsere Flüge nach Frankreich und zurück“ Dies sagte er aber nicht im Sinne von überheblich, sondern wir können uns glücklich schätzen, dass wir das erleben dürfen.

von Frank Interthal

hier die Flüge im Detail (OLC)

 

 

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