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Lienzer Flugbuch – Teil1

17-04-2011-Lienzer Dolomiten-mit-Karlsbader-Huette

6 Hirzenhainer Segelflieger und eine Segelfliegerin in Lienz 2011

Am 09. April machten sich die Hirzenhainer Segelfieger Hans-Otto Hermann,  Markus Holighaus, Tim Schneider und Marko Zettier auf den Weg nach Lienz in Osttirol, um die Alpen mit ihren Segelflugzeugen zu erkunden und zu erleben. Für Hans-Otto und Marko war es das zweite Mal nach 2009,  dass Sie dorthin fuhren. Die erste Woche war anfangs von Starkwindlagen geprägt und da  ist dann auch für uns Mittelgebirgsflieger Vorsicht geboten. Deshalb wurde dann auch richtigerweise auf den einen oder anderen Tag verzichtet und nicht geflogen. Hans-Otto und Markus haben sich dann auf unserem neuen Arcus T eingeflogen und Marko unser bester Alpenflieger hat Tim unter seine Fittiche genommen und in die Kunst des Bergfliegens eingewiesen.

Am 14. April war dann ein sehr guter Tag. Die vier Flieger sind an diesem Tag die Gailtaler Alpen Richtung Osten geflogen, haben am Dobratsch, dem markanten Hausberg von Villach das Gailtal Richtung Süden gequert und sind dann die Karawanken und die Steiner Alpen entlang bis ca. 35 km nordöstlich der slowenischen Hauptstadt Ljubljana(Laibach) geflogen, gewendet. Ein auf dem Rückweg in die Karnischen Alpen nicht ganz einfacher Flug, bei dem zwischen Lesce/Bled Flugplatz in 1500m (NN) und Hochstuhl ein Bart in “nur 1500m” begonnen werden mußte. Ein Abstecher aus den Karnischen in Richtung Süden nach Enemonzo in Italien brachte dann neue Erkenntnisse in unbekanntem Terrain. Der Flug ging dann mit 682 km in die OLC-Wertung ein.

Als Norbert Sommer  und ich an diesem Abend nach Nikolsdorf an den Flugplatz kamen sahen wir ausschließlich glückliche Gesichter unserer Hirzenhainer Kameraden.

Am 15.04, dem ersten Tag von Norbert und mir, war dann für Marko auch wieder ein 600 km Tag. Hans Otto und Markus fiel an diesem Tag das LX 8000 im Arcus aus .Nachdem ich gestartet war, flog ich die Standardstrecke Richtung Westen im Pustertal. Ab Silian wechselte ich auch die Südseite des Tals und flog bei Basishöhen von 3500m Richtung Sella Gruppe in die Dolomiten. Da Norbert später gestartet war wartete ich hier in diesem schönen(sten) Teil der Dolomiten auf ihn. Im Blick die Marmolada, den Langkofel, Rosengarten und die Sella mit ihrem höchsten Gipfel dem Piz Boe was die Wartezeit von ca. 10 Minuten für die Augen und mich nicht gerade langweilig machte. Das hin und her Fliegen an der Sella brachte mir dann  300m Höhenverlust ein und einen gehörigen Schreck den ich nicht auf Anhieb nachvollziehen konnte.  Auf dem Flug in Richtung südwestliche Ecke der Sella, an der ich auf dem LX Display einen Flieger mit 5 Meter steigen gesehen hatte, warnte das Flarm in Höhe der Pordoi-Bahn in 2800 Meter. Meine Reaktion darauf war eigentlich gar keine, da ich darauf nicht vorbereitet war. Die Nachbereitung am Abend ergab aber, dass der Abstand zu den Seilen doch sehr groß gewesen sein muss. Danach sind wir Richtung Norden, Brenner geflogen und haben Marko getroffen. Das heißt ich nicht, denn ich verlor Norbert und Marko im Norden der Sarntaler Alpen aus den Augen, da ich die Entscheidung traf in die Sarntaler zu fliegen, was nicht optimal war. Dann versuchte ich Marko und Norbert hinterher zu fliegen zum westlichen Ende des Vintschgaus. Was mir mehr schlecht als Recht gelang. Auf dem Rückweg in Richtung Osten haben sie mich dann eingesammelt.

Auf dem Heimweg bin ich dann durch die Lienzer Dolomiten geflogen, was dann am Ende eines Flugtages noch mal entspannen und Sightseeing bedeutete. Tim unser Jüngster und unsere beiden Arcus-Flieger Hans-Otto und Markus haben am 15. und 16.04. die Thermik im Pustertal genossen, was Schnitte von 93 und 97 mit über 400 und 600 km.

Am 17.04. Ist Marko dann zusammen mit Markus Arcus geflogen. Auf dem Weg Richtung Tonale-Pass, welcher nicht gut aussah, hatte er dann die Super-Idee nach Süden Richtung Garda-See abzubiegen. Leider hatte ich nicht mit bekommen, dass er ab etwa nördlich Trento das westliche Tal zum Gardasee genommen hatte und nicht das Etschtal. Ich fand mich dann querab Trento Mattarell Flugplatz in 1800 m wieder und musste erstmal da wieder wegkommen. Danach wollte ich dann den “Gardasee” nicht mehr sehen. Da ich ja aus 2005 schon wusste wie er aus der Luft aussieht, wollte ich nach dem Tiefen kurbeln, meine Nerven schonen und bin wieder nordwärts. Norbert und ich hatten damals dort mit dem Duo Discus die Hänge des Monte Baldo poliert.

Norbert kam mir dann Richtung Gardasee auf meinem weg Richtung Norden entgegen und ist auch bis querab der Nordspitze des Gardasees geflogen. Auf dem Rückweg ist er dann durch “seine” geliebten Dolomiten geflogen. Am Ende des Tages kamen für ihn über 530 km heraus.

Leider ist mir dann in der Zwischenzeit das LX 8000 ausgestiegen und hat meinen Flug auf zwei zerteilt. Nichts desto trotz bin ich wieder schön durch die westlichen Sarntaler Alpen nach Norden ins Pustertal geflogen und habe  erstmals die weiter nördlich gelegene Route entlang der Riesenferner-Gruppe mit ihrem höchsten Berg dem Hochgall und  des Antholzer-Sees(Biathlon-Stadion) gewählt. Weiter ging es über den Staller-Sattel und die Defferegger-Tal Nordseite über das Iseltal südlich Matrei in die Schober-Gruppe. Dieser Weg ist aus meiner Sicht bei gutem Wetter und hoher Basis schöner und schneller als das Pustertal. Auf meinem Flug Richtung Osten hatte ich mit Marko gesprochen, welcher über die Lienzer Dolomiten und die Kreuzeck-Gruppe südlich an der Hochalmspitze über das Malta-Tal, den Katschberg, Mauterndorf, die Niederen Tauern entlang, bis kurz vor Zeltweg geflogen war. Am Tagesschluss waren er und Markus  über 660 km geflogen. Mit dem Kommentar: “viele schöne Eindrücke und spannende Abschnitte“. Leider ist auch im Arcus das LX 8000 ausgefallen. Die Auslese mit dem Zweitgerät wurde leider nicht gewertet. Bei meinem weiteren Flug habe ich dann östlich Mallnitz versucht am Ende des Tales an der Hochalmspitze vorbei zu kommen, welche aber zu hoch war. So bin ich umgedreht und habe  über die Goldeck, den Weissensee und das Drautal an diesem Tag auf zweimal 560 km geflogen.

Tim hatte 350 km geflogen und war an diesem Tag erstmals alleine in den Sarntaler-Alpen.

 

Wenn Träume wahr werden – unser Flug zum Mittelmeer

 

Am 18. 04. Wollten dann nur Norbert und ich fliegen, da die anderen schon 7 Tage hintereinander geflogen waren. Hans-Otto fragte mich am Morgen kurz vor dem Start, was ich denn an diesem Tag vor hätte. Nachdem ich ihm sagte, dass ich das Mittelmeer sehen wolle, hat er das eigentlich mit stoischer Ruhe zur Kenntnis genommen und sich seinen Teil gedacht. Schlepppilot Bernhard, mit 28 jähriger Drachenflugerfahrung, hat Norbert und mich dann mit der Remo TC an den Gailberg-Sattel geschleppt. Nach dem ausklinken um 10.15 Uhr hat er mir dann einen wunderschönen Flug gewünscht, was auch so kommen sollte.

Laut Wetterbericht von Alptherm sollte das Gailtal mäßige Thermik bringen und das Triglav/Karawanken-Gebiet  gute Thermik. Für Slowenien waren nordwestliche Winde vorhergesagt und Sonnenschein mit Schönwetterwolken im Fußgänger Wetterbericht angesagt. Die Wettervorhersage für die Gailtaler-Alpen war am Morgen absolut richtig. Steigwerte 1-1,5 Meter, Basis bei 2400 Meter. Südlich des Weissensees sind wir dann aus gut 2400 Meter am Dobratsch  vorbei ohne einen Kreis in die Karawanken am Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien geflogen und dort nach einer Gleitstrecke von ca. 30 km  in 1800 m angekommen. Begrüßt wurden wir in Slowenien gleich mit einem schönen 2,5 Meter Bart. Da ich schon mal mit der Familie am Bohinj-See Urlaub gemacht hatte wurde ich meiner Rolle als Fremdenführer für das Triglav-Gebiet und Slowenien so glaube ich voll auf gerecht.

Ich habe Norbert mit Informationen voll gequatscht, ob er das wollte oder nicht.

Bei Norberts erstem Flug durch die Karawanken haben diese sich gleich von ihrer guten Seite gezeigt. Beim Wechsel in die Steiner-Alpen wurde die Bewölkung etwas stärker und an deren Ostende waren ca. 5-7/8 Cu mit undurchsichtigem Dunst. Im Nachhinein meinte Norbert, dass er auf die Besichtigung der Steiner Alpen hätte verzichten können. Da er an dem 3 Meter Bart den ich kurbelte vorbeigeflogen war und aus dem hohen Gelände an den Krvavec-TV Sender gleiten mußte. An der Grenze zur Kontrollzone Ljubljana-Brnik erwischte er einen guten Bart und wir konnten dann vor dem Stol (Hochstuhl) dem Hausberg der Lescer Segelflieger nach Südwesten in Richtung Süd-Bohinj-Range abbiegen. An deren Südrand sind wir bis zum Vogel, einem Berg südlich des gleichnamigen Ski-Gebiets am Bohinj-See (Wocheiner See) geflogen. Nach einem schönen Bart sind wir ab Tolmin (Tolmein) entlang der Soca, slow. (Isonzo, ital.) dem italienisch/slowenischen Grenzfluss Richtung Gorizia (Görz dt. Name der Stadt)in Italien geflogen. Die unterschiedlichen Namen der Flüsse und Städte zeigen, dass über die Jahrhunderte die besitzenden Nationen immer wieder wechselten. Am schlimmsten war dies im ersten Weltkrieg, bei dem  durch 12 Isonzo-Schlachten, in deren Verlauf von 1915-1917, über 300.000 Soldaten ihr Leben verloren. Beendet wurden die Isonzo-Schlachten in 1917 bei der am Oberlauf gelegen Stadt Karfreit,österr./Caporetto, ital./ Kobarid, slow.). Der geschichtlich interessierte Leser möge bei Wikipedia weiterlesen. Diesen Ausflug in die Geschichte mache ich deshalb, weil es heute für uns Segelflieger selbstverständlich ist über die Grenzen  unserer europäischen Länder hinweg zu fliegen.

In Nova Gorica haben wir dann erstmals die Adria gesehen. Hier konnte ich dann Norbert überreden mit seinem Fremdenführer in Richtung Ajdovscina weiterzufliegen.

Von hier aus sind wir dann nach Süden zu einer Wolkenstraße Richtung Triest weitergeflogen. Diese Wolkenaufreihung brachte uns dann schließlich für uns beide bis dahin unfassbar über das Mittelmeer nordwestlich von Triest. Fast 5 Kilometer über dem Meer haben wir dank des nordöstlichen Windes in einem 2,5 Meter Bart auf 2300 Meter gekurbelt. 20 km im Westen konnten wir die Lagune von Grado erkennen. Nach Süden die Städte Triest, Koper, Piran und Portoroz (Rosenhafen). Sogar die Nord-Küste von Istrien (Kroatien) 40 km südlich konnte ich erkennen. Wir konnten unser Glück kaum in Worte fassen. Unter uns größte Tanker, die vor Triest auf Reede lagen, eine Sicht fast bis zum Anschlag und zwei überglückliche Segelflieger in der Thermik über dem Meer. Norbert hat dann noch einige Sehr schöne Fotos gemacht und  nach vielen Kreisen  und 10 Minuten über dem Meer haben wir uns dann doch entschlossen wieder in Richtung Lienz-Nikolsdorf aufzubrechen.

Der Heimweg war dann auch wie der Hinweg problemlos. Eine Abkürzung haben wir dann über den Bohinj-See genommen. Nördlich des Sees habe ich dann Norbert noch das Biathlon-Zentrum Pokljuka gezeigt. Vorbei am höchsten Berg Sloweniens dem Triglav sind wir wieder über die Karawanken, die Gailtaler-Alpen und das Drautal zurückgeflogen. Die über 460 km, die wir geflogen hatten waren eigentlich Nebensache. Dieser Flug schloss dann damit, dass nach der Landung Bernhard mit dem Traktor kam und mich zurück zum Abstellplatz zog. Ihm erzählte ich als erstem, dass wir am Mittelmeer waren. Später erzählte er mir dann, dass er als Drachenflieger mehrmals versucht hatte zum Mittelmeer zu kommen aber sein weitester Flug nur bis Udine ging.

An diesen Flug, der für mich unvergesslich bleibende Eindrücke  hinterlassenen hat, werden Norbert wie auch ich mit Sicherheit noch lange zurück denken.

von Frank Interthal

Teil2 folgt in Kürze

hier die Flüge im Detail (OLC)

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