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1950

Am 14. Mai 1950 Neugründung des Segelflieger Club HIHAI. Fritz Stamer am 2.Juli 1950 in der Flughalle. Erster Nachkriegs-Modellwettbewerb am 17.September

 

Abschrift des Protokolls 

über die Gründungsversammlung des Vereins für Luftfahrt Hirzenhain e.V. bezw. des Segelfliegerclub’s HIHAI in Hirzenhain Dillkreis

Am 14.Mai 1950 nachmittags um 15.00 Uhr hatten sich auf Einladung früherer Segelflieger und ehemaliger Mitglieder des Vereins für Luftfahrt e.V. in Hirzenhain etwa 120 Personen in der großen Flughalle am Hang in Hirzenhain eingefunden, um den im Jahre 1943 zwangsweise aufgelösten Verein für Luftfahrt e.V. in Hirzenhain neu zu gründen.

Die Versammlung wurde von dem ehemaligen Vorsitzenden des Vereins für Luftfahrt e.V. Hirzenhain, Herrn Lehrer Emil Schäfer, Hirzenhain eröffnet.
Er begrüßte alle Anwesende , insbesondere aber Herrn Landrat Knodt und Gattin, Herrn Schulrat Witzell, den Vertreter der Gemeinde Hirzenhain Herrn Beigeordneten Holighaus, Herrn Direktor Rolfes und Gattin, Herrn Direktor Grün, den Vorsitzenden des Männergesangvereins Hirzenhain Herrn Fey, sowie die Vertreter von Rundfunk und Presse. Er übermittelte allen Anwesenden die Grüße der Städte Dillenburg und Herborn.

Die Versammlung wählte darauf einstimmig Herrn Lehrer Emil Schäfer aus Hirzenhain zum vorläufigen Versammlungsleiter. Derselbe nahm die Wahl an. Auf dessen Vorschlag beschloss die Versammlung einstimmig, folgende Tagesordnung zu behandeln.

1. Beschlußfassung über die Neugründung des Vereins für Luftfahrt e.V. in Hirzenhain.
2. Diskussion und Beschlussfassung über den Namen des Vereins.
3. Diskussion und Beschlussfassung über die Vereinssatzung.
4. Wahl des Vorstandes.
5. Verschiedenes.

Zu 1. der Tagesordnung:  Einstimmig wurde folgender Beschluß gefaßt: Der im Jahre 1943 zwangsweise aufgelöste Verein für Luftfahrt e.V. in Hirzenhain wird neu gegründet. Der Verein stellt eine Fortführung des aufgelösten Vereins dar. Der Verein bezweckt die Pflege der Geselligkeit und die Bearbeitung internationaler Segelflugfragen. Die Rechtsverhältnisse und Geschäftsführung des Vereins werden durch eine besondere Satzung geregelt.

Zu 2. der Tagesordnung:  Einstimmig wurde folgender Beschluß gefaßt: Der Name des Vereins wird aus zwingenden Gründen gegenüber den Besatzungsmächten geändert in „Segelflieger-Club HIHAI, Hirzenhain Dillkreis“

Zu 3. der Tagesordnung:  Ein von Vereinsmitgliedern ausgearbeiteter Entwurf der Satzung wurde im einzelnen durchgesprochen und in einigen Punkten abgeändert und ergänzt. Sodann wurde die Satzung  einstimmig so angenommen, wie sie in der Urschrift und Abschrift diesem Protokoll beigefügt ist. Es wurde festgestellt, daß die Satzungen des alten Vereins für Luftfahrt e.V. in Hirzenhain nirgends mehr aufzutreiben waren. Nach Auskunft des Registergerichts bei dem Amtsgericht in Dillenburg, seien selbst die Gerichtsakten betr. den Verein für Luftfahrt e.V in Hirzenhain nicht mehr aufzufinden.

Zu 4. der Tagesordnung:  Es wurde teils einstimmig und teils durch Mehrheitsbeschluß der Vorstand wie folgt gewählt.

Vorsitzender:  Lehrer Emil Schäfer aus Hirzenhain
dessen Stellvertreter:  Hüttendirektor Bernhard Rolfes aus Dillenburg
Geschäftsführer:  Justizinspektor Ansgar Hermann aus Hirzenhain
dessen Stellvertreter:  Fabrikant Theo Overbeck aus Herborn
Kassierer:  Kaufmann Fred Mulflur aus Dillenburg
dessen Stellvertreter:  kaufm. Angestellter Karl-Heinz Thomas aus Haiger

Die Gewählten nahmen die Wahl an.

Zu 5. der Tagesordnung:  Es wurde einstimmig beschlossen, daß ein Bericht an den Landesjugendausschuß in Wiesbaden eingereicht wird, in dem die Wiederzulassung des Segelfluges gefordert werden soll.


Herr Landrat Knodt wies anschließend auf die Bedeutung des Segelfluges hin. Er erklärte, daß der Segelflug ein tatsächlich völkerverbindlicher Sport sei. Die Versammlung wurde hieraufhin geschlossen.

 

Fritz Stamer spricht in der Flughalle

Aus der Schulchronik vom 16.Mai 1950 von Lehrer Herbert Steuder 

Es war ein großer Tag für alle alten und jungen Segelflieger und Freunde des Segelflugsports, als am vergangenen Sonntagmorgen, am 2.Juli 1950, einer der bedeutesten Pioniere der deutschen Segelfliegerei, der langjährige Leiter der Segelflugschule Wasserkuppe, Fritz Stamer, auf den Hirzenhainer Bergen weilte und in einer gut durchdachten und aufschlußreichen Anssprache die ideellen Grundlagen des neuen Segelflugs herausstellte. Aus dem Dillkreis und dem Kreis Biedenkopf waren die ehemaligen Segelflieger und Segelflugfreunde gekommen, um diesen Mann, der sich auch heute wieder für einen Wiederaufbau des deutschen Segelflugsports einsetzt, zu hören.
Lehrer Schäfer, der Segelflugpionier unserer Heimat, übermittelte zunächst allen Kameraden und Gästen einen Willkommensgruß. Besonders herzlich begrüßte er aber den Altmeister des deutschen Segelflugsports, Herrn Stamer. Er sagte, nicht der rein materielle, sondern ausschließlich der ideelle Gedanke sei ausschlaggebend, den deutschen Flugsport wieder zu erneuern.

Zurückblickend auf die ersten Anfänge des Segelflugsports auf der Wasserkuppe erklärte der Vortragende, daß die Pioniere der Segelfliegerei, die sich nach dem ersten Weltkrieg in der Rhön versammelt hätten, von einer Flugsehnsucht erfüllt gewesen seien, ohne den Gedanken zu hegen, durch Flugrekorde oder militärische Ausbildung dem Segelflugsport zu dienen. Denn schließlich sei die Flugsehnsucht die tiefste Form menschlichen Heimwehs. Man müsse in diesem Zusammenhang an die ersten Flugversuche eines Lilienthal erinnern, dem die gleiche Sehnsucht innegewohnt habe. Das Streben nach menschlicher Freiheit und Freizügigkeit dokumentiere sich gerade beim Fliegen. Freiheit aber könne nur im Geist errungen werden. Es sei Aufgabe der Menschheit, die Kräfte der Natur nutzbar zu machen und sie zum Wohl der Menschheit anzuwenden. Doch dürften diese Kräfte nicht der Vernichtung nutzbar gemacht werden. Das bedeute den Schiffbruch aller Ideen und den Schiffbruch der Menschheit.

Der geistige Inhalt, dieser „Rhön-Geist“ aus den ersten Nachkriegsjahren 1919/20 müsse wieder aufleben und Wurzeln schlagen. Gelinge es ihn wieder zu wecken, besteht Aussicht auf einen Aufschwung. Andernfalls sei seiner Ansicht nach die kommende Segelfliegerarbeit von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Man habe seinerzeit auf der Wasserkuppe, als die ersten Flugversuche gemacht wurden, Spott und Mißachtung ertragen müssen, dennoch aber sei man der Sache treu geblieben, und nach und nach habe sich dort das ideelle Fliegen immer weiter entwickelt.

Wenn man jedoch nach dem „Zweck“ der segelfliegerischen Betätigung frage, so sei man auf der falschen Fährte. Die Masse solle durch eine geeignete geistige Aufbauarbeit mobilisiert werden, das Gedankengut einer ideellen Tätigkeit zu erfassen und weiter zu tragen. Man solle dabei nicht sagen, es fehle an Intelligenz. Zur Segelflugbegeisterung gehöre keine hochgeistige Bildung, sondern eine Mobilisation des Herzens, zu deutsch, man müsse ein rechter Kerl sein.

Gerade die Segelfliegerjugend sei dazu berufen, über die Grenzen der Heimat hinaus den neuen Geist in allen Weltteilen lebendig werden zu lassen und damit beizutragen, aus dem reinen Flugerlebnis völkerverbindend zu wirken.

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