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1937

Fertigstellung der Halle am Hang und Umbau des Segelfliegerlages am Anwender.

Der Ausbau des Segelfliegerlagers Hirzenhain

Zeitungsausschnitt aus der „Dill-Zeitung“ vom 26.Mai 1937

Was den Pionieren der Segelfliegerei in den Anfängen ihrer Bewegung als Wunschziel vorschwebte und bei besonderen Gelegenheiten immer wieder als Losung verkündet wurde, nämlich, daß Deutschland ein Volk von Fliegern werden müsse, ist in unseren Tagen Wirklichkeit geworden. Der Segelflugsport hat sich zu einem Volkssport entwickelt, dessen Bedeutung für die Ertüchtigung der Jugend heute kaum noch verkannt wird. Darüber hinaus ist er zu einer wichtigen Vorschule für den späteren Berufsflieger geworden, denn aus den Kreisen seiner Anhänger wird sich der Nachwuchs der zivilen Luftfahrt und der Luftwaffe in erster Linie rekrutieren. Es versteht sich daher von selbst, daß man heute weniger Wert auf Spitzenleistungen, sondern auf Breitenarbeit legt, und ihr wurden auch die Einrichtungen unserer Segelflugstätten vorwiegend dienstbar gemacht.

In unserem heimischen Fliegerdorf Hirzenhain werden nun schon seit einigen Jahren ständig und planmäßig Jungflieger ausgebildet. Die Zahl der Lehrgänge hat sich von Jahr zu Jahr erhöht, und der Arbeitsplan für 1937 sieht 14 solcher Kurse vor, die in der Zeit von April bis Oktober nacheinander mit je 14-tägiger Dauer durchgeführt werden. Um diesen erweiterten Aufgaben des Lagers Rechnung zu tragen, mußten dessen Einrichtungen im Laufe der letzten Jahre wesentlich erweitert und ausgestaltet werden. Nachdem zu Anfang des vergangenen Jahres ein kleines Verwaltungsgebäude erstanden ist, um Räume für die Lagerverwaltung, der Luftpolizei und zur Unterkunft der Segelfluglehrer zu schaffen, wurde im letzten Winter das Barackenlager durch einen kleinen massiven Anbau erweitert, der die sanitären Anlagen enthält.

Die Einrichtungen der Werkstatt wurden verbessert, die Tagesaufenthalts- und Unterrichtsräume zweckmäßig und wohnlich ausgestattet, die Kücheneinrichtungen erweitert und dabei den hygienischen Erfordernissen weitgehend Rechnung getragen. Eine kleine Kantine ist in der Lage, die Lagerbesatzung mit Erfrischungen und wichtigen Gegenständen des täglichen Bedarfs zu versorgen. Auch die Schlafräume, in denen zur Zeit 32 Schüler untergebracht werden können, machen in ihrer hellen und freundlichen Ausstattung einen recht wohnlichen Eindruck. Schließlich enthält das Lager noch einen Schlafraum für vier ständig bedienstete Mechaniker und Flughandwerker, sowie eine kleine Kammer, die die Lehrgangsteilnehmer mit der nötigen Ausrüstung versieht. Die bedeutsamste und auch augenfälligste Vervollkommnung der Lagereinrichtungen stellt jedessen die neue Flughalle dar, die im laufe des Winterhalbjahres am Eiershäuser Hang errichtet und in den letzten Wochen endgültig fertiggestellt wurde. Die im Jahre 1931 in Anlehnung an das Barackenlager geschaffene „Halle Neuschäfer“ genügte in räumlicher Hinsicht den Anforderungen längst nicht mehr, außerdem wurde es schon immer als ein mißlicher Umstand empfunden, daß am Flughang selbst keine geeigneten Räumlichkeiten zur Aufnahme von Flugzeugen zur Verfügung standen, um den zeitraubenden und schwierigen Transport der Maschinen über die schmalen Feldwege zu vermeiden.

 

 

Diesem Bedürfnis trägt die neue 1000 Quadradmeter große, massive Flughalle in vollkommener Weise Rechnung, denn sie bietet Raum zur Aufnahme von 40 Segelflugzeugen. Die Halle, die auch für andere Zwecke Verwendung finden kann und am 1.Mai gelegtlich der Gemeinschaftfeiern der in der Nähe Hirzenhains gelegenen Bergwerks- und Steinbruchbetriebe ihre Eignung als Festhalle erwiesen hat, wurde mit den Mitteln der Fliegerortsgruppe Frankfurt geschaffen, in deren Besitz sich überhaupt zur Zeit die sämtlichen Lagereinrichtungen befinden. Da die hervorragende Bedeutung Hirzenhains als Hochleistungsgelände Westdeutschlands mehr und mehr anerkannt wird, und infolgedessen die Ansprüche an das Segelfluglager fortgesetzt im Wachsen begriffen sind, dürfte der Ausbau der Anlagen noch nicht endgültig abgeschlossen sein, vielmehr kann mit einer weiteren Vergrößerung und Vervollkommnung in naher Zukunft gerechnet werden. Umfang und Art dieser Neuerungen lassen sich aber infolge der Umwandlung des Reichsluftsportverbandes in das Nationalsozialistische Fliegerkorps und die damit verbundenen innerorganisatorischen Veränderungen heute noch nicht übersehen. Im Zusammenhang mit den etwaigen Erweiterungsbauten dürfte wohl auch die Frage der Verbesserung der Anfahrt zum Lagergelände eine befriedende Lösung erfahren.

In der Natur der eingangs umrissenen neuen Aufgaben des heimischen Segelfluglagers liegt es, wenn dessen Arbeit nach außen hin heute weniger in Erscheinung tritt. Immerhin werden von Zeit zu Zeit Leistungen erzielt, die auch unserem rekordgewohnten Zeitalter beachtenswert erscheinen. Hier verdient der fünfstundenflug eines Flugschülers Erwähnung, den dieser vor einigen Tagen im Anschluß an die Ablegung der amtlichen C-Prüfung vollführte, womit er seinen 14-tägigen Lehrgang mit seltenem Erfolg abschloß
So trägt die Saat, die einst von den Pionieren des heimischen Segelflugsports ausgestreut wurde, heute reiche Früchte. Es darf uns daher mit Genugtun erfüllen, daß diese tatkräftigen Männer, die in selbstloser, unentwegter Arbeit die Grundlage zum Aufbau des Werkes geschaffen haben, noch droben auf der Höhe wohnen und über die reiche segelfliegerische Tradition Hirzenhains wachen.

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