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1934-1935

Die Fliegerschule wird Hauptübungsstelle der Landesgruppe VII — Der Ausscheidungswettbewerb der Landesgruppen wird nach Hirzenhain verlegt — Hoher Besuch vom Präsidium des DLV aus Berlin — Der 3. Segelflugwettbewerb — Ein Modellwettbewerb der Schulen findet statt — Vorbereitung der Luftfahrtausstellung in Berlin.

 

Die Fliegerschule Hauptübungsstelle des Landesgruppe VII

Aus der Schulchronik vom Februar 1935 von Emil Schäfer

Nach dem schon seit Herbst zwecks Übernahme der Fliegerschule durch die Landesgruppe verhandelt wurde, ist dieselbe nun mehr zustande gekommen und zur Hauptübungsstelle erklärt worden. Mit der Leitung derselben wurde Sturmführer Reichelts beauftragt, welcher einen neuen Lehrgang mit jugendlichen Arbeitslosen eingerichtet hat zwecks weiteren Ausbaus der Räume und Werkstatt.
Da eine weitere Zunahme der fliegerischen Betätigung zu erwarten ist, spricht man auch von neuen Baulichkeiten. Und um auch im Sommer nicht behindert zu sein, will man umfangreiches Gelände am Berg käuflich erwerben, um zu allen Jahreszeiten – ohne Rücksicht auf bestellte Felder – Start- und Landemöglichkeiten zu haben.

Ausscheidungs-Wettbewerb der Flieger-Landesgruppen

Aus der Schulchronik vom 6 Juni 1935 von Emil Schäfer

Auf Grund einer Besichtigung unseres Segelfluggeländes durch den Segelflugreferenten der Fl.-Landesgruppe 11 und des Flugleiters der Fliegerschule Wasserkuppe Rottenführer Schmidt wurde nunmehr der in der Überschrift benannte Wettbewerb für die Zeit vom 17. bis 22. Juni d. J. nach Hirzenhain gelegt. Diese Tatsache beweist wiederum die Brauchbarkeit unseres Geländes, bedeutet andererseits aber auch eine Anerkennung für die bisher hier geleistete Arbeit auf dem Gebiet des Segelflugsports. Dieser Wettbewerb dürfte nicht nur eine Bedeutung für die weitere Entwicklung unserer heimischen Fliegerei, unserer Segelflugschüler und des heimischen Wirtschaftsverbands haben. Er ist ein Markstein in der Segelflugbewegung ganz Westdeutschlands. Nehmen doch an diesem Wettbewerb die Besten aus Hessen-Nassau, Hessen-Darmstadt, Rheinprovinz und Westfalen teil.
Da dieser Wettbewerb gleichzeitig eine Ausschaltungskampf für den kommenden Olympia-Wettbewerb ist, ist er bedeutungsvoll für alle segelflugbetreibenden Nationen. Unserer heimischen Segelfliegerei wird in diesem Wettbewerb zum ersten Male Gelegenheit gegeben, mit „Kanonen“ den Kampf aufzunehmen. Daß sie dabei als 1. Sieger hervorgehen werden, ist wohl kaum anzunehmen, da ihnen nicht nur eine gewisse Erfahrung für derartige Leistungskämpfe fehlt, sondern auch das so genannte Thermikfliegen noch Schwierigkeiten bereiten dürfte. Kann ich auch nicht mehr als aktiver Flieger dabei in Erscheinung treten, so hoffe ich doch, daß meine ehemaligen Schüler und jetzigen Fliegerkameraden ehrenvoll abschneiden und neue Erkenntnisse zu den alten kommen werden.


Hoher Besuch

Aus der Schulchronik vom Juni 1935 von Emil Schäfer

Am 12.6.35 besuchte der Leiter der Abteilung Segelflug beim Präsidium des D.L.V. , Berlin, Rittmeister Röhrn unser „Fliegerdorf“, das Fliegerlager und auch unserer Volksschule. Auch er sprach sich anerkennend über unser Gelände aus und bezeichnete es als ein „Hochleistungs“ – Gelände. Aus diesem Grunde solle in Hirzenhain immer Segelflug betrieben werden, während die Aufgaben einer Übungsstelle auf den Dörnberg bei Kassel verlegt würden. Damit werden die Aufgaben unserer Fliegerschule – oder der „Segelflugdienststelle“ – wie sie in Zukunft heißen soll, ähnlich wie in den vorhergehenden Jahren.
Röhrn, der bis 1933 Leiter der Segelschule Rossitten war, besichtigte anschließend unsere Schüler und den Modellbau unserer Jugend. Wenn ich dieses vermerke, dass er mir den Dank ausspreche für die in 12 Jahren geleistete Arbeit, so tue ich dies, um damit die Arbeit eines ganzen Dorfes und einer Volksschule auf diesem Gebiet zu würdigen und fest zu legen, dass unser Dorf die bereits 1930 durch den damaligen Geschäftsführer und Leiter des Segelflug- und Jugendabteilung Gruppenoberführer Halbich erhaltene Bezeichnung zu Recht führt: Hirzenhain, das Fliegerdorf Deutschlands. Möge unsere heranwachsende Jugend sich der Verpflichtung dieser Ehrenbezeichnung bewusst sein.

Der Segelflug-Wettbewerb

Aus der Schulchronik vom 27.Juni 1935 von Emil Schäfer

Nun gehört auch dieser, in Hirzenhain der dritte, Segelflugwettbewerb der Geschichte an. Daß er seine beiden Vorgänger aus 1932 und 1933 in jeder Beziehung übertraf, war vorauszusehen. Organisation und Durchführung waren geradezu mustergültig. Der Einzug der Wettbewerbsteilnehmer aus Rheinland und Westfalen mit ihren mächtigen Transportwagen bot ein ebenso feierliches Bild, wie die am nächsten Tage, dem 16. Juni, gezeigte Ausstellung der Flugzeuge ein solches von der bisher geleisteten Bauarbeit der einzelnen Gruppen gab. Über den Verlauf des Wettbewerbs ausführlich zu werden, erübrigt sich für mich, da die anliegenden Presseberichte genügen. Deshalb nur einige Besonderheiten. Um nicht nur vom Nordwestwind abhängig zu sein, stand an windstillen Tagen oder bei anderen Windrichtungen eine Autowinde und ein Motorflugzeug zur Verfügung. Unsere Männer, die an der Winde überhaupt noch nicht geschult hatten und erst vor wenigen Tagen in Gießen die Bedingungen zum Flugzeugführer erfüllt hatten, kamen dadurch ins Hintertreffen. Wenn es unserem Fliegerkameraden Lehrer Jung, Steinbrücken, trotzdem gelang, einen Streckenflug von 147 km auszuführen, so bedeutet dies für die heimische Fliegerei ein Erfolg.

Alles in allem war der Wettbewerb ein Ereignis für unser Dorf. Neben rund 200 von dem Wettbewerb irgendwie beteiligten Personen bevölkerten täglich Hunderte von Zuschauern unser Dorf und seine Umgebung. Es kann wohl nicht treffender die Belebung unseres Dorfes schildern, als die Tatsache, daß unsere Post an einem Tag mehr zu tun hatte, als sonst den ganzen Monat. Es ist sicher nicht zu hoch gegriffen, wenn ich annehme, daß in diesen Tagen mehr als 10.000 RM in das Wirtschaftsleben unseres Dorfes geflossen sind. An und für sich ist es ja bedauerlich, daß einzelne Zeitgenossen die Bedeutung der Fliegerei nur aus solchen Tatsachen erkennen können. Nur gut, daß es Einzelgänger sind. Daß die meisten unserer Bewohner doch das Schöne und Ideale an der Sache sehen, sei auch festgestellt. Dieses beweist mir nicht nur die große Anteilnahme sonntags, sondern auch an den Wochentagen, wenn sie ihr Hauswerk im Stich lassen mussten.

Modellwettbewerb

Aus der Schulchronik vom 7.September 1935 von Emil Schäfer

Auf Anordnung der Regierung ist in allen Schulen Anfang des Jahres mit dem Flugzeugmodellbau begonnen worden. Da unser Modellbauer Moos diese Zeit nicht mehr erleben durfte, fiel mir die Aufgabe zu, zunächst die Lehrer des Kreises in das Gebiet einzuführen. Um ein Ergebnis der bisher geleisteten Arbeit zu sehen, wurde auf Anregung des N.S. Lehrerbundes für die Schulen des Kreises ein Wettbewerb durchgeführt. Da die Abhaltung des  Wettbewerbs im unserem Fluggelände erfolgte, hatte unsere Schule die Organisation übernommen.

Die Gemeinde Hirzenhain hatte in Anerkennung für Herrn Moos einen Ehrenpreis gestiftet. Ein Grünstein, von unserem Dorfkünstler Walter Baum sachgemäß bearbeitet, trug ein Bronzemodell. Die Vorderseite des Steins zeigt folgende Inschrift: Heinrich Moos – Gedächtnispreis. Der als Wanderpreis ausgegebene Stein wurde von der Schule Offdilln mit der besten Durchschnittszeit von 182 Punkten errungen.

Luftfahrtausstellung in Berlin

Aus der Schulchronik vom 18.November 1935 von Emil Schäfer

Am 20. Januar 1936 soll in Berlin, und anschließend als Wanderausstellung in den großen Städten des Reichs, in einer Ausstellung gezeigt werden, wie der Luftfahrtgedanke in das Land hinaus getragen werden kann. Unserer Schule und unserem Dorfe – als dem „Fliegerdorf Deutschlands“ – ist die ehrenvolle Aufgabe gestellt worden, die Verwirklichung dieses Gedankens zu zeigen. Bereits einmal waren zu diesem Zwecke Herren des Unterrichtsministeriums hier, an Ort und Stelle „unsere“ Abteilung  vorzubereiten. Leider haben wir in den ersten Jahren (1923 – 28) keinen Wert auf „Äußerlichkeiten“ gelegt, so dass wir aus diesen interessantesten Entwicklungsjahren keinerlei gute Bilder haben.

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