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1930

Modellflug ,naturwissenschaftlicher Unterricht – Ministerbesuch in Hirzenhain – Einweihung der neuen Fliegerhallen

 

Die Volksschule Hirzenhain 1.Sieger im Modellwettbewerb

Aus der „Schulchronik“ vom 25.Januar 1930 von Lehrer Lückhoff

Im Laufe des vorigen Sommers hat Herr Lehrer Moos im Werkunterricht auch den Bau von Flugmodellen betrieben und dabei Leistungen hervorgebracht, die heute gerade einzig dastehen. Es ist eine große Anzahl von soch kleinerern Modellen von den Jungen gebaut worden, welche dann am Eiershäuser Hang eingeflogen und von den Zuschauern und den Kindern der Schule mit großer Freude begleitet wurden. Die besten Modelle wurden dann ausgezeichnet, und zudem von der oben abgedruckten Staatlichen Hauptstelle ausgeschriebenen Wettbewerb, belohnt. Dabei brachte ein Modell -von dem Schüler Karl Holighaus gebaut- eine Flugleistung hervor (502 m), die bisher in Deutschland von solchen von Schülern erbauten Modellen noch nicht erbracht wurde.
Die staatliche Haupstelle nahm Gelegenheit, durch ihren Fachberater Herrn Diplom-Ingennieur Blech, den hiesigen Modellflugzeugbau zu besichtigen, welcher sich sehr lobend über die bisherigen Leistungen und Bestrebungen der Schüler im Sinne der Förderung des Luftfahrtgedankens durch die Schule aussprach. Der den Schülern zufallende Geldpreis wurde nicht zurückgezahlt, sondern wurde von Herrn Lehrer Moos dazu verwendet, um den Modellflugzeugbau immer weiter auszubauen. Die Schule ist stolz auf diesen Erfolg und wird sich seiner würdig erzeigen.


Ministerbesuch in Hirzenhain

Aus der „Schulchronik“ vom 5.Mai 1930 von Lehrer Lückhoff

Herr Staatsminister a.D. Dominicus aus Berlin, der Vorsitzende des Deutschen Luftfahrt-Verbandes hat der Flugschule Hirzenhain am 2.5.1930 einen Besuch abgestattet. In Herborn wo er bei Verwandten zu Besuch weilte, wurde er per Auto abgeholt und hier herauf gebracht, um unsere Anlagen näher in Augenschein zu nehmen. Herr Schulrat Brücker und unsere fliegenden Schulmeister beider Schulen Hirzenhain und Lixfeld hatten sich eingefunden, um den hohen Herrn zu führen. Außerdem war der Geschäftsführer des VFL Hirzenhain- Herr Leydecker- mitgekommen, um unsere geschäftlichen Anliegen vorzutragen.

Nachdem diese Kommission das gesamte Gelände besichtigt und alles bewundernswert schön gefunden hatte, begab man sich ins Gasthaus Stoll, wo ein kleines Frühstück und einige schöne Reden gehalten wurden. Die kleine Geheimbesprechung mit dem Herrn Minister zielte darauf ab, einige Zuschüsse zu den bestehenden baulichen Anlagen zu erwirken, welchen auch entsprochen wurde. Hoffentlich werden auch die Versprechungen in die Tat umgesetzt. Auch der Schule erstattete der Herr Minister einen Besuch ab und freute sich vor allen Dingen über die nebenstehende im Bild festgehaltene kleine Ausstellung von Modellflugzeugen.


Die Einweihung der Fliegerhallen.

Aus der „Schulchronik“ vom Oktober 1930 von Lehrer Lückhoff

Die Entwicklung der heimischen Segelfliegerei hat in rascher Folge Ausmaße angenommen, daß nicht nur Unterkunftsräume für Flugzeuge, sondern auch solche für Mannschaften unbedingt notwendig wurden. Durch Freunde und Gönner war es möglich, eine Flugzeughalle aufzustellen, die jederzeit in der Lage ist, 6 – 8 Flugzeuge aufzunehmen.
Da die Entwicklung und der größte Teil des Flugbetriebes sich hier in der Nähe des Dorfes am Eiershäuser Berg abspielt, so ist diese Halle am Anwender aufgeschlagen worden, in der Absicht, auch die Mannschaftshalle hier anzuschließen. Das ist nun auch geschehen. In Mainz wurden in diesem Sommer von der Reichsvermögensverwaltung ehemalige Militärbaracken zu billigem Geld abgegeben.
Eine solche Halle ist von dem Verein für Segelflug gekauft, dort abgebrochen und hier wieder aufgebaut worden. Eine gewaltige Leistung.
Am Sonntag, den 19.10.1930 wurden beide Hallen feierlich getauft, „Halle Neuschäfer “ und „Haus Hindenburg“
und ihrer Zweckbestimmung übergeben. Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, des DLV, der Regierung in Wiesbaden und der Kreisverwaltung, dazu eine stattliche Zuschauermenge waren erschienen, um dem feierlichen Akt beizuwohnen.Die dann anschließende „Fidelitas“ dauerte bis in die späten Abendstunden und endete leider – mit einer Prügelei.

 

Weihe des neuen Fliegerlagers – „Haus Hindenburg“ und „Halle Neuschäfer“

Bericht aus der „Dill-Zeitung“ vom 20.Oktober 1930

Der heimische Segelflugsport hat einen bedeutsamen Schritt voraus getan. Mit der Weihe des neuen Fliegerheims auf der Hirzenhainer Höhe, die gestern nachmittag in feíerlicher Weise vor sich ging, ist die unerlässliche Grundlage für einen weiteren Aufstieg der jungen Bewegung geschaffen. Welcher Beachtung und Wertschätzung sich diese nicht nur im Westen des Reiches, sondern im ganzen Vaterland erfreut, davon legten die zahlreichen Kundgebungen, die während des Weiheaktes, zum Teil durch den Mund prominenter Vertreter der deutschen Luftfahrt erfolgten, beredtes Zeugnis ab.
Was in knapp vier Jahren geschaffen wurde, und was insbesondere die Lehrer von Hirzenhain und Lixfeld, die
„fliegenden Schulmeister“ wie sie gestern mit einer Mischung von Scherz und Hochachtung genannt wurden, vollbracht haben, als einzig dastehend anerkannt, und nicht nur den Jungfliegern, sondern auch dem ganzen deutschen Volk als rühmliches und nachahmenswertes Beispiel vor Augen geführt. Daß auch die Heimat, und sie in erster Linie, alle Veranlassung hat, sich über das Erreichte von Herzen zu freuen, und mit frommen Zukunftswünschen die gedeihliche Fortentwicklung des idealen Werkes zu begleiten, soll in diesem Zusammenhang besonders betont werden.

Die neugeschaffene Anlage besteht aus einem Flugzeugschuppen, der Raum zur Aufnahme von 8 bis 10 Maschinen bietet und dem geräumigen Fliegerheim, das in erster Linie der in Hirzenhain schulenden Jungfliegern Unterkunft gewähren soll. Es handelt sich um eine Besatzungsbaracke aus Mainz, die nach dem Abzug der Franzosen von dem Verein für Luftfahrt, Hirzenhain käuflich erworben und von Jungfliegern abmontiert wurde. In Hirzenhain gelangte sie nach Plänen von Bauingenieur Freimüller, Dillenburg, zur Aufstellung. Das Innere des Hauses, das eine Länge von 43 Metern bei einer Breite von 8 Metern aufweist, macht zunächst noch einen nüchternen Eindruck. Wenn erst einmal die Jungflieger hier oben sind, wird es bald wohnlicher aussehen. Der Raum, dessen Wände nach gründlicher Reinigung und Desinfektion eine Kalktünchung erhielten, wurde in einer Weise aufgeteilt, daß ein Tagesraum, eine Küche, zwei Schlafräume, eine Werkstatt, ein Geschäftszimmer, sowie zwei kleinere Räume, die nach Bedarf Verwendung finden, zur Verfügung stehen. Voraussichtlich dürfte sich die Fachschule für Industrie in Düsseldorf, die in Hirzenhain ihre Jungflieger schulen will, an dem Bau des Hauses beteiligen. In diesem Falle würde ein Schlafraum an sie abgegeben werden, der freilich dem V.f.L. Hirzenhain zu anderweitiger Benutzung zur Verfügung steht, falls er von Düsseldorf nicht in Anspruch genommen wird.
An Einrichtungsgegenständen verfügt das Haus bisher über eine größere Anzahl an Tischen und Bänken, sowie verschiedene Öfen, eine Stiftung von Hüttendirektor Neuschäfer aus Steinbrücken. Die Lichtanlage ist eine Stiftung der Überlandzentrale Oberscheld, auf Veranlassung ihres Direktors Hekking. Im Tagesraum hat ein Bild des Patrons des Hauses, des Reichspräsidenten von Hindenburg, Aufstellung gefunden, ein Geschenk des befreundeten Männergesangvereins „Gesangesfreunde“ Hirzenhain. Als ein sinnvoller Wandschmuck kann auch die von Kunstmaler Otto Künkel, Steinbrücken, entworfene Ehrentafel mit den Initialen des V.f.L. Hirzenhain gelten. Im Geschäftzimmer liegt ein Gästebuch, eine Gabe von Frau Direktor Neuschäfer, aus. Als Inschrift trägt es auf der ersten Seite nachfolgenden Ausspruch des Turnvaters Jahn, der den ganzen Geist atmet, von dem das Werk der Hirzenhainer Segelflieger bestimmt ist:

„So haben wir denn einstimmig in der Gesinnung und einmütig in der Tat ein Werk begonnen und vollendet, das als Hort und Leuchte über den Wogen dieser Zeit hinausragt. Und so mag es denn in dieser kreisenden Zeit als Hort und Leuchte bestehen.

 

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