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1926-1927

Bau eines zweiten Flugzeuges – Die Flüge von Edgar Dittmar – Wieder Bruch und Bau eines weiteren Flugzeuges – Segelflugtag wird voller Erfolg

 

Segelflugsport in Hirzenhain

Aus der “Schulchronik” vom Juni 1926 von Lehrer Lückhoff

Es ist eine weit und breit bekannte Tatsache, dass auf der “Hirzenhainer Höhe” stets der Wind weht. Selbst zur heißen Sommerzeit, wenn im Tale drunten die erdrückende Schwüle auf der Menschheit lastet, ist hier oben eine stetige Zugluft zu erspüren, die dem erhitzten Wanderer wohl eine angenehme Labung zufächert, ihm aber auch meistens einen Denkzettel in Gestalt eines Schnupfen und Luftröhrenkatharr hinterläßt, der selbst mitten im Sommer noch unangenehm werden kann.

Der auf eine ziemlich starke Dosis Windstärke geprüfte “geborene Hirzenhainer

ist daran gewöhnt, ist dankbar für recht heiße Sonnentage, da er den größten Teil des Jahres auf Kälte eingestellt ist, zieht dann auch seinen Rock aus, trotzdem man im Tale zuweilen behauptet, man habe in Hirzenhain noch nie einen Bauern hemdsärmelig im Feld schaffen sehen. Aber den Wind vergessen werden die Hirzenhainer wohl nie, dass sie sogar gezwungen sind, viel stärker als andere Bauern damit zu rechnen. Und dass sie schon lange damit umzugehen wissen, das beweist schließlich die tägliche Leistung unserer “Windmühle” die alltäglich 60 m3 Wasser aus der Tiefe herauf holt. Mit dem Wind hat auch schon die Jugend Freundschaft geschlossen, denn man sieht hier oben Drachen in vielfacher Bauart und stattlicher Anzahl und zwar zu Zeiten, wenn man da drunten noch nicht daran denkt, Drachen fliegen zu lassen. Es ist eine sehr schätzbare Liebhaberei, der die Alten hier oben noch sehr gerne huldigen.

Und so hat sich dann so ganz sachte aus dem kleinen Drachenbauen ein “Flugzeugbauen” entwickelt, von dem es sich schon lohnt, auch in diesem Buch zu berichten. Herr Kollege Schäfer kann mit Genugtun feststellen, dass er der erste war, welcher hier im Dillkreise mit positiven Erfolgen an die Öffentlichkeit getreten ist. Aus äußerst interessanten Drachenflügen mit allen möglichen Systemen, konstruierte er ein Flugmodell für Segelflüge, welches nunmehr zu den besten Hoffnungen berechtigt. Was die Sache besonders kennzeichnet und wertvoll macht: nach 2 Jahre langem Suchen, Probieren, Erwägen und Durchhalten kommt jetzt ein Modell zur Vollendung, welches den Vorzug hat, mit eigener Hände Arbeit (oft unter mühsamen Umständen) und mit eigenem Fleiß und Opfermut und aufgrund selbst gemachter Erfahrungen entstanden zu sein. Herr Kollege Moos ist aktiv mit tätig.  Als viel geübter Meister in allerlei Handfertigkeiten – zu denen auch die Kunst des Uhrenmachens und -reparierens gehört, – hat er auch hier stets die praktische Seite seines Könnens in den Dienst der Sache gestellt und der ganzen Bauart des jetzt konstruierten Gleitvogels den Stempel der soliden, stabilen und sauberen Ausführung aufgedrückt.

Auch einige junge Leute des Dorfes halfen durch ihre berufliche Tätigkeit als Schmied oder Schlosser tatkräftig mit und haben in Verbindung mit den beiden genannten Herrn Kollegen und nicht zu vergessen die beiden Kollegen von Lixfeld, Herr Mittler und Herr Jung eine Vereinigung gebildet zwecks weiteren Ausbaus des Segelflugsports. Verschiedene kleinere glückliche Versuche mit dem neu erbauten Apparat lassen erwarten, dass die Sache an Bedeutung gewinnen wird.

Die Flüge von Edgar Dittmar

Bericht aus der „Dill-Zeitung“ vom 27.August 1926

Die Segelflugveranstaltung bereitete große Enttäuschung.Flugzeuge lagen startbereit, wovon zwei dem bekannten Flieger Espenlaub, und eins der Hirzenhainer Segelflugvereinigung gehörte. Espenlaub war selbst nicht erschienen. Es hieß, er habe sich am Samstag in Fulda einer Halsoperation unterziehen müssen. Und so war nur der Pilot Dittmar als einwandfreier Segelflieger zugegen, der sechs Starts unternahm. Bei dem ungenügenden Wind erreichte er fünfmal nur eine Höhe von etwa 8 Metern und eine Strecke von 500 Metern. Der letzte Flug gelang besser und führte ihn bis vor Lixfeld.

Auch das nach alter Konstruktion erbaute Hirzenhainer Flugzeug startete, mit dem Bruder des bekannten Espenlaub als Führer. Kaum war das Flugzeug einen Meter über dem Boden, als es auch schon wieder aufsetzte und zwar so hart, dass aus dem Untergestell Kleinholz wurde.

Wenn auch die Fliegerei gestern enttäuschte, so hat es doch die junge Hirzenhainer Segelflugvereinigung unter großen Kosten gewagt, dem Publikum das Vertrautwerden dem Segelflugsport zu vermitteln.

Aus der „Schulchronik“ vom 1.September 1926 von Lehrer Lückhoff

Mit den Jugendwettkämpfen war ein Segelflugtag verbunden, welcher von der „Segelflugvereinigung für Luftsport“ vorbereitet und durchgeführt wurde. Das herrliche Wetter hatte – nicht wie der Berichterstatter (der Zeitung),  3000 – sondern etwa schätzungsweise 10-12000 Menschen heraufgebracht, die die angekündigten Flüge sehen wollten. Nachstehender Bericht ist sehr lau, und scheinbar von einigen Enttäuschten beeinflußt.

Fest steht, daß es für die Segelflugvereinigung ein voller Erfolg war. Wo in der weiten Welt gibt es bei fast völliger Windstille einen schöneren und wohlgelungeneren Flug, als den, den untenstehende Aufnahmen zeigen.  Aber – verwöhntes Publikum.  Kommentar überflüssig.

1927- Das dritte Flugzeug-und der zweite Bruch.

Noch einmal fangen sie von vorne an, die sieben vom „Segelflugverein Hirzenhain“ wie sie sich inzwischen genannt haben. In einer zur Werkstatt umgebauten alten Kirmesbude entsteht im Jahr 1927 das dritte Flugzeug. Aber auch diesem ist kein langes Leben beschieden. Gleich nach dem ersten Startversuch stehen die Hirzenhainer wiederum vor einem Trümmerhaufen.
Jetzt sind sie so ziemlich am Ende. Zwar nicht mit ihrer Begeisterung für die Fliegerei, sondern mit ihren finanziellen Mitteln.

 

 

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