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Der erste 700km Flug der Saison

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Nachdem Markus Beckmann am vergangenen Montag einen kleinen Erkundungsflug mit seinem Sohn Felix unternommen hatte, folgte am Dienstag, den 17.04.12 der erste 700km Flug der Saison. Hier ist sein Bericht:

Am Vortag habe ich noch mit unserem Vereinskamerad Markus Holighaus das Hallentor auf der Ostseite repariert. Da wir nicht fertig wurden, machte ich noch einen Spruch, dass morgen sowieso nicht geflogen würde und wir dann den Rest machen könnten. Als ich dann zuhause die Wetterberichte studierte, war ich auch noch immer der Meinung, dass es am Dienstag, den 17.04.2012 frühzeitig gegen Nachmittag regnet. Aber selbst der Bericht von NRW sprach von guter Thermik. Da dachte ich mir, warte mal ab bis morgen und dann wirste mal sehen.

Dann den Wetterbericht um 07.00 Uhr  angeschaut. Die Prognose war ähnlich wie am Abend, gute Thermik am Anfang eine Basis von1500 m, ansteigend auf etwa 2000-2200 m. Von Nordwesten Stratusbewölkung und abschwächende, mäßige Thermik. Trotzdem dachte ich, ich schaue mir das Wetter mal in Natura an. Ich auf den Flugplatz. Leichte Schleierbewölkung war von Nordwesten erkennbar. Ich dachte mir, dass das bis zum Abend noch etwas werden könnte, bevor der angekündigte Regen einsetzen sollte. Also um 08.00 Uhr zusammen mit meiner Frau, den Flieger aus der Halle geholt, bevor sie zur Arbeit fuhr und alles vorbereitet. Wasserballast schied aufgrund der Außentemperatur aus, da die Hänger am Morgen noch vereist waren.

Markus meldete sich dann auch zwischenzeitlich und wir planten den Tag.Er wollte dann mit dem Arcus starten, suchte aber noch einen Copiloten.

Nachdem dann Helfer organisiert waren, ging es dann um 09.45 Uhr mit der Cumulusbewölkung los. Ich hatte mich dick angezogen und erst mal eine Sitzprobe gemacht. Kam mir vor wie in einem schlanken A-Rumpf. Man, dicke Klamotten, war ja auch erst der vierte Start in dieser Saison! In der Zwischenzeit waren die ersten Wolkenaufreihungen Richtung Norden erkennbar.

Um 10.25 Uhr schließlich gestartet. Kurzer Test-Motorlauf und über den Sportplatz und in den ersten Aufwind mit 1,5 Metern. Ich bemerkte, dass mich der Wind ziemlich versetzte. Der Rechner zeigte bereits 25 km/h Wind aus 200 Grad. Also los Richtung Wolkenstraße. Die Spuren trugen gut aber nicht lang. Im Bereich Biedenkopf kam ich mit 300 Metern über Grund an und konnte gleich 2,5 Meter ziehen. Aus knapp 1600 Metern ging es weiter. Ich hatte Aue bei Hattorf in meinen Rechner eingeben. Das lief dann problemlos, obwohl die Wolken bereits von Westen breit liefen.

Am Harz angekommen hätte man eigentlich den Rückenwind weiter nutzen müssen. Aber aufgrund des starken Windes beschloß ich, Richtung Süden abzudrehen. Ich flog dann über den Harz, westlich am, zum Teil noch mit Schnee bedeckten, Brocken vorbei. Eigentlich ist zu erwarten, dass die Thermik zwischen Harz und Thüringer Wald nachlässt, aber dieses Mal waren die Aufwinde prima. Die Sonneneinstrahlung war zu dieser Zeit gut. Da im Westen die Abschirmung stand, erkundigte ich mich bei Markus nach dem Wetter in der Heimat. Er teilte mir mit, dass das Wetter noch gut sei. Er hatte einen Co gefunden und war mit seinem Vater unterwegs.

Ich flog nicht westlich der Wartburg, sondern querte den Thüringer Wald im Bereich Pennewitz. Die Einstrahlung nahm deutlich ab, aber es entwickelten sich immer noch Cumuluswolken. Damit ich eine Richtung hatte, gab ich Bayreuth als letzten Wendepunkt ein. Ab Sonneberg lief es dann richtig gut. Die Steigwerte betrugen teilweise über 3,5 Meter bei einer Basis von 2200 Meter. Die Wetterbedingungen Richtung Süden waren nahezu perfekt. Da es aber auf vier Uhr zu ging, drehte ich östlich von Bayreuth auf Heimatkurs. Das tat schon weh! Aber es waren ja noch 250 km zu fliegen.

Wie man das ja gewohnt ist, stellt sich das Wolkenbild in entgegen gesetzter Richtung anders dar.

Über dem Thüringer Wald bildete sich nur noch ein schwaches Achtel. Der Plan war eigentlich, bis nach Eisenach zu fliegen und dann nach Westen Richtung Heimat abzudrehen. Es sah allgemein Richtung Nordwesten grau aus und es waren nur noch Thermikansätze zu erkennen. Also gab ich dann als nächsten Punkt die Wasserkuppe ein. Aufgrund des Windes wollte ich südlich um das Sperrgebiet Wildflecken fliegen, da ich bereits öfters das Lee der Rhön zu spüren bekam. Südöstlich, ca. 25 km vor der Kuppe, stieg ich nochmals auf 2100 m, so dass ich genügend Sicherheit auf den Flugplatz Wasserkuppe hatte. Daher flog ich direkt auf Kurs und stellte den vorherigen Plan zurück. Ich dachte mir, wenn du über die Kuppe kommst, stürzt du dich Richtung Huhnrain bei Poppenhausen und zündest den Motor. Ich war mir eigentlich sicher, dass der Tag nicht ohne Motorlauf zu Ende geht.

Am Funk der Flugschule hörte ich, dass der Flugbetrieb bereits um 17.00 Uhr eingestellt wurde. Ich machte mir keine große Hoffnung mehr und flog mit dem besten Gleiten vor. Direkt über dem Platz verspürte ich einen deutlichen Ruck und es ging noch einmal mit 1,5 Metern aus dem Nichts auf 2000 Meter. Ich flog dann Richtung Fulda und ich sah, dass die Sonneneinstrahlung zunahm. Am Horizont Richtung Kurs waren wieder „Flusen“ zu erkennen. Ich dachte mir, dass gibt’s doch nicht, jetzt musst du noch Blauthermik fliegen. Ab dort kurbelte ich noch zweimal in mittleren Steigwerten. Da es aber schon nach 18.00 Uhr war malte ich mir aus, dass es sehr schwierig würde, ohne Triebwerk nachhause zu kommen. An Schwarzenborn entlang ging es mit einem kleinen Schlenker Richtung Marburg, da mir abends die Lahnberge schon öfters geholfen haben.

In Höhe Cappel lupfte es das erste Mal. Ich kreiste ein und war mit 0,9 Metern zufrieden. Ich dachte mir, egal wie stark der Bart wird, du kurbelst hier solange es steigt und wenn es dunkel wird. Der Wind versetzte mich aber derart stark, dass ich nach gewonnen zweihundert Metern aus dem schwach gewordenen Bart gefallen bin. Ich befand mich direkt über der Klinik an den Lahnbergen. Die gewonnene Höhe hatte ich ziemlich schnell wieder verbastelt und flog näher Richtung Stadtmitte. Ich erwischte dann einen Aufwind mit runden 1,2 Metern, die ich dann bis zu meiner Endanflughöhe auskurbelte. Diesen begann ich dann in 1650 Metern direkt vom Flugplatz Schönstadt aus.

Das war dann der schönste Moment an diesem Tag, den wohl jeder Streckenflieger kennt. Nach insgesamt achteinhalb Stunden Flugzeit, hatte ich dann um 19.02 Uhr, eine Strecke von 723 km auf dem Zähler und war zufrieden, obwohl ich nur eine Schnittgeschwindigkeit von 85 km/h erzielte.

Ich möchte hier all meinen Helfern, vor allem Iris und Ammunsen für ihren Einsatz danken.
Das Jahr ist noch jung und ich hoffe da geht noch was.

von Markus Beckmann

hier der Flug im OLC…

 

 

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